Die Lafrianer von 18:48 Sexau

Fasnet in Sexau

Fasnet ist im Ursprung ein christliches Fest und hat seinen Ursprung in den verschiedenen Fastenzeiten (deshalb richtig geschrieben Fastnacht). Vor dem Beginn dieser Fastenzeiten war es üblich, noch einmal ausgiebig zu feiern (deshalb hat der Rosenmontag nichts mit Rosen zu tun, sondern das Wort entstand aus dem „rasenden Montag“), viel zu trinken, Fettes (daher schmutzige Dunschdig = fetter Donnerstag) und natürlich Fleisch zu essen.

Das Wort Karneval hat ebenfalls mit der Fastenzeit zu tun. Es leitet sich aus dem italienischen „carne vale“ ab, bedeutet also soviel wie„Fleisch, lebe wohl.“

Die ersten Hinweise auf Fasnetsbräuche in Sexau stammen aus dem markgräflichen Güterbuch von 1566. Dort wird erwähnt, dass von jedem Haus der Sexauer Untertanen an St. Martin, also am 11.11., dem Beginn der vorweihnachtlichen 40-tägigen Fastenzeit, sogenannte Fasnachtshühner abzugeben waren.

Nach der Reformation war Sexau evangelisch geworden, es gab keine Fastenzeiten mehr und so gerieten die meisten der dazugehörigen Bräuche und Feste in Vergessenheit. Der 11.11. als Zinstag hat sich aber erhalten und so wird auch heute noch an diesem Tag der Pachtzins für Ackerland fällig. Auch wird am Martinstag oft noch eine Martinsgans gebraten, die daran erinnert, dass vor der Fastenzeit noch einmal gut und fette gegessen wurde. Dass von den Vertretern der sogenannten alemannischen Fasnet der 11.11. als Fasnetsbeginn abgelehnt wird, ist vor dem geschichtlichen Hintergrund nicht unbedingt nachvollziehbar.

Die nächsten Anzeichen für Fasnetsbräuche in Sexau stammen erst wieder aus den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals begann in Sexau das Gizig-Rufen. Zuerst waren es nur die jungen Burschen, die an Fasnet durch die Gemeinde zogen und vor den Geschäften, wie zum Beispiel Bäckereien riefen: „Gizig, gizig, gizig isch de Beck un wenn er nit so gizig wär, no gäb er au e Weckli her !“ Natürlich gab es auch Würste und selbstverständlich „Gütsili“. Dieser schöne Brauch, an dem später auch Mädchen teilnahmen, ging leider in den späten 1970er Jahren verloren.

Aber auch die Tradition des „schiibeschlages“ auch als „Schiibefasnet“ bezeichnet, gehört zu den Fasnetsbräuchen. Früher gab es in fast jedem Sexauer Ortsteil eigene Scheibenfeuer. Das der „Dorfemer“ brannte zum Beispiel in der Halde, das der „Lörchemer“ auf der westlichen Nase des Buchholzer Rebberges, gen Sexau gerichtet. Heute wird diese Tradition hauptsächlich am Wäldiliberg von den Scheibenbuben aufrecht erhalten. Vielerorts wird dieser Brauch von den Fasnetsvereinen gepflegt.

In die Zeit der 1950er Jahre fielen auch die Fasnachtsabende, die der Turnverein für seine Mitglieder in der Turnhalle am Fasnachts-Dienstag veranstaltete. Gesellige Runden gab es auch in den Sexauer Gaststätten, von Fasnetstreiben größeren Ausmaßes konnte jedoch keine Rede sein.

Wer Fasnet machen wollte, der musste sich schon in die umliegenden Ortschaften und Städte begeben.

Für manche Männer aus Sexau war der Bockfrühschoppen in Emmendingen ein Anziehungspunkt geworden. In Emmendingen hat sich, obwohl ebenfalls evangelisch, ab den 1840er Jahren eine umfangreiche Karnevalstradition gebildet. So war der Bockfrühschoppen eine Karnevalssitzung mit allen Attributen, die wir heute kennen. Zusätzlich gab es das, der Veranstaltung den Namen gebende, Bockbier.

Dieses mundete natürlich auch den Sexauer Besuchern. Wie wir alle wissen, steigt mit zunehmendem Alkoholkonsum auch das Bedürfnis sich den anderen mitzuteilen. Dies hat in Emmendingen dazu geführt, dass die Sexauer Fasnetsbegeisterten als Störenfriede des Programms angesehen wurden und mit dem unrbadischen Begriff Lafri was in etwa Schwätzer (lafere = daherschwätzen) bedeutet. So mussten die Sexauerf Lafri die Veranstaltung, die damals noch im Bautzen stattfand, verlassen.

Erbost ob dieser ungerechten Behandlung, beschloss der harte Kern dieser Männer einen eigenen Frühschoppen in Sexau zu veranstalten. Dieser Fand am Rosenmontag 1967 im Gasthaus Zur Lerche statt und war so erfolgreich, dass man beschloss, ihn fortan jedes Jahr zu veranstalten. In der Lerche wurde auch der Sexauer Fasnetsruf kreiert:
Lafrie – Lafroh (später in Lafri – Lafro abgewandelt). Erster Präsident war Richard Wolfsperger.

Um die Organisation des Lafrischoppen zu erleichtern, wurde im selben Jahr der Fasnachts-Club gegründet.

Der neue Verein entwickelte sich schnell und der Lafrischoppen musste alsbald wegen Platzmangel in die Turnhalle verlegt werden. Bald darauf wurde am Fasnachtssamstag die erste Narrensitzung veranstaltet, ein Hemdglunkerumzug und die Kinderfasnet am Schmutzige Dunschdig eingeführt.

Gunter Härer und Rene Hiller



In den 1990er Jahren fand das erste Narrenbaumstellen statt und die Kinderfasnet wurde auf den Fasnets-Friddig verlegt.

Grandiose Jubiläumsveranstaltungen, die unvergessen bleiben werden, fanden zum 22, 33 und 44-jährigen Bestehen unter den Präsidenten Rudi Theurer, Gunter Härer und Rene Hiller statt. Der Fasnachts-Club war im weiten Umkreis für seine nahezu fernsehreifen Narrensitzungen bekannt und fand so viele Freunde und viel Bestätigung für seine karnevalistischen Veranstaltungen.

Rene Hiller und Gabriele Hiller singen das Sexauer Fasnachtslied


1989 gründete sich in Sexau die Narrenzunft der Hornwaldgeischder, die sich er „alemannischen Fasnet“ verschrieben hat. Die Zunft nimmt an vielen Umzügen teil, veranstaltet aber auch alljährlich die Fasnachtseröffnung am 11.11., „Zunftabende“ und fulminante Straßenumzüge.

Die Hornwaldgeischder






Am Rosenmontag des Jahres 2015, im Anschluss an den, intern veranstalteten, 49. Lafrischoppen, wurden um 18:48 Uhr unser Verein gegründet und gab sich sogleich den Namen Lafrianer von 18:48 (als Lafrianer wurden seit jeher die Besucher des Lafrischoppens benannt und mit 18:48 ist also die Uhrzeit der Gründung und nicht unbedingt das badische Revolutionsjahr 1848 gemeint). Die Gründungsmitglieder waren allesamt seit vielen Jahren, manche sogar seit frühester Kindheit, in der Sexauer Fasnet aktiv und haben sie entscheidend geprägt und weiter entwickelt, sei es als Büttenredner, Gardemädchen, Tänzer im Herrenballett, Trainerinnen, Elferräte, Vizepräsidenten und Präsidenten. Das ist auch der Grund, warum die Lafrianer seit dem ersten Tag auf eine mehr als 600jährige Tradition und Erfahrung in der Sexauer Fasnet zurückblicken können und im Ort, sowie in der regionalen Fasnet sehr gut vernetzt sind.

Eigentlich wollte sich dieser Personenkreis 2014 aus der Fasnet zurückziehen, da aber alle vom närrischen Virus befallen waren, konnte man sich eine Kampagne ohne eigene Beteiligung nicht vorstellen. Man wollte, auf Grund der gemachten Erfahrungen, in einem Verein Fasnet feiern, in dem Freude, Kameradschaft, gegenseitige Anerkennung und Unterstützung, sowie der Erhalt von Sexauer Fasnetstraditionen, insbesondere des Lafrischoppens, das Ziel sein sollten.

Die Lafrianer vor dem ehemaligen Gasthaus Lerche.

Mit viel Elan ging man an die Aufbauarbeit und so begann im Herbst des Jahres 2015 bereits ein 17-köpfiges Kinderballett, unter Anleitung zweier erfahrener Ballettmeisterinnen, mit dem Training. Es wurde ein komplettes Vorstandsteam gewählt, eine Satzung ausgearbeitet und die Hästräger der 2012 geschaffenen Figur des Lafri wurde in die Lafrianer aufgenommen. Man einigte sich darauf, die Schreibweise des Narrenrufes auf die in den 1960er Jahren übliche Schreibweise Lafrie – Lafroh abzuändern. Am 5. Januar 1916 hatten die Lafrianer von 18:48 ihre erste öffentliche Veranstaltung im Reichenbächler Hof, als die neuen Lafrianer getauft wurden. Kurz darauf erfolgte die Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht Emmendingen.

Der Lafrischoppen am Rosenmontag, mit seinen närrischen Spitzenprogramm, begeisterte dann Zuschauer und Presse gleichermaßen.

Die Lafrianer entwickelten sich bis heute rasant weiter, verfügen heute über viele Aktive, eine Garde, ein Kinderballett und ein Herrenballett. Mit ihrem kleinen Umzugswagen sind sie gern gesehen Gäste bei Umzügen, treten mit ihren Balletten und Aktiven auf vielen Veranstaltungen in nah und fern auf. Die Kampagneneröffnung, der Lafrischoppen und die Lafrinight sind zur Zeit unsere eigenen Veranstaltungen in Sexau, für die Zukunft wird aber bereits heute weiter geplant.

In Sexau wird durch die drei aktiven Vereine eine abwechslungsreiche Fasnet geboten, die sicherlich für jeden etwas bietet.

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